Königsdisziplin Boxen

Boxen hatte oft mit seinem Ruf zu kämpfen und galt lange als brutaler und roher Sport. Ein Hauch von Gewalt wurde ihr angelastet. Das lag unter anderem daran, dass Profiboxen lange Zeit einer negativen und einseitigen Medienberichterstattung gegenüberstand. Manipulierte und gekaufte Kämpfe waren im Profiboxen selten nur Einzelfälle, sondern eine beliebte und einfache Methode für Kriminelle, Geld abzuschöpfen. Das bescherte dem Boxsport gleichzeitig den Nimbus der Bestechlichkeit. Zwielichtige Gestalten und die Nähe zur Unterwelt brachten dem Sport ein gehöriges Imageproblem ein.

Die Unterwelt präsentierte sich gerne bei Boxkämpfen und nutzte ihre Anwesenheit als Bühne oder Drohgebärde. Doch das war oder ist kein spezifisches Merkmal des Boxsports. Kriminelle Methoden und Korruption gab und gibt es in allen Bereichen und Ebenen, davon sind Sportturniere natürlich nicht ausgenommen.

Kampfsporthype

Der Glamour der dem Boxsport anheftet ist trotzdem nicht abzustreiten. Selten findet man eine Sportveranstaltung, die so schick und mondän abläuft, wie beim Boxen. Darüber hinaus besitzt der Boxsport im Gegensatz zu anderen Sportarten, eine gewisse Nostalgie, die oft auch in der medialen Inszenierung durchsickert. Abgesehen von der gesellschaftlichen Bedeutung, hat der Boxsport unterschiedliche Erfolge und Phasen durchgemacht. Das Aufkommen neuer Kampfkünste und die allgemeine Begeisterung für Kampfsport hat sicherlich dazu beigetragen. So gibt es mittlerweile viele Kampfkunstvereine, die mit exotischen Faustkampfkünsten werben, wie etwa Tae Kwon Do, Kung-Fu, Kick-Boxen, Wing Tsun, Muay Thai oder Krav Maga. Mit dem Aufkommen exotischer Kampfkünste wurde allerdings das klassische Boxen für obsolet erklärt. Boxen war in Gegenwart dieser aufstrebenden Sportarten plötzlich uncool.

Inzwischen haben sich die Meinungen geändert. Klassisches Boxen ist wieder populär. Ob als Zuschauer, Fan oder aktiver Sportler, die Menge ist begeistert und der Zulauf in den Vereinen groß. Menschen aus allen Schichten und unterschiedlicher Couleur teilen dieselbe Leidenschaft, dasselbe Verlangen, wenn es um Schlagperfektion geht.

Olympische Disziplin

In Wirklichkeit ist Boxen eine der anspruchsvollsten und komplettesten Sportarten der Welt. Es ist nicht nur die absolute Königsdisziplin unter den Kampfkünsten, sondern auch eines der ältesten Sportdisziplinen. Die Anfänge des Boxens konnten bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 688 v.Chr. zurückverfolgt werden. Kein geringerer als der berühmte ionische Dichter Homer erwähnte im 18. Gesang seiner Ilias einen Boxkampf zwischen zwei Akteuren. Es gibt aber Quellen die noch älter sind, wie etwa sumerische Zeichnungen die über 5.000 Jahre alt sind.

Was den Sport aber über Jahre hinweg so beständig und reizvoll macht, ist die physische Überlegenheit und mentale Stärke eines Boxers. Diejenigen die Boxsport betreiben oder ein Boxtraining absolviert haben, wissen wovon ich spreche. Kaum eine Sportart besitzt diese Härte und Intensität. Das Training ist sehr anstrengend und besteht hauptsächlich aus Krafteinheiten, Technik, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination. Dabei lernt man weit mehr als nur die physische Auseinandersetzung. Strategisches Denken, Koordinationsübungen und die taktische Vorgehensweise stellen den Kämpfer vor eine große Herausforderung. Das erfordert vom Kämpfer Intelligenz und Stärke, die man durch eine konstante Wiederholung erreicht.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit dieses Sports ist die Toleranz und der respektvolle Umgang, die zu den Grundprinzipien des Boxens gehören und die ethische Seite dieses harten Sports zeigen. Die Boxvereine sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und tragen das auch in ihren Unterricht bzw. in ihre Sportschulen.


Photo by rawpixel on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.