Fantasy Football – In den USA schon lange Kult

Wer gerne US-amerikanische Serien schaut, wird die völlig andere Sportkultur nicht übersehen haben. College-Sport ist fast genau so groß, wie der eigentliche Profi-Sport und Baseballkarten werden gesammelt und sogar von einer Generation an die nächste weitergegeben. Nachdem wir bereits über den NFL Game Pass geschrieben haben, wollen wir euch nun ein amerikanisches Phänomen vorstellen, dass sich um American Football dreht: Fantasy Football. In vielen Serien hört man davon, doch wenige wissen, was das eigentlich ist. Wir erklären euch die Idee dahinter und warum es das Zuschauen nochmal um einiges spannender macht.

So funktioniert Fantasy Football

Das Grundprinzip ist denkbar simpel. Eine Gruppe von Spielern, optimalerweise zehn bis zwölf stellt sich jeweils eine Mannschaft aus den Spielern der Liga auf. In den meisten Ligen gilt es die zentralen Positionen der Offensive zu besetzen. Der Quarterback ist als Ballverteiler natürlich mit dabei. Aber auch die balltragenden Runningbacks und die fangenden Wide Receiver und Tight Ends finden Einzug ins Fantasy-Team. Bei der Defensive wählt man die Verteidigung eines ganzen Teams. Zusätzlich kommt der Kicker, der den Ball für die sogenannten Field Goals und Extrapunkte nach dem Touchdown durch die Stangen zu kicken versucht.

Jeden Spieler gibt es wie im echten Leben nur einmal. Gewählt werden die Teams im Rahmen eines Drafts. Nacheinander dürfen die Teams jeweils einen noch freien Spieler in ihr Team wählen. Meist darf der Spieler, der in der ersten Runde als letzter dran war, in der zweiten dafür die erste Wahl treffen. Es ist etwas anders, aber doch sehr ähnlich dem Draftverfahren, in denen im US-Sport die Jungtalente von Mannschaften vor einer Saison ausgewählt werden.

Am Ende hat man ein Team bestehend aus den besagten Schlüsselpositionen, von denen einige auch Ersatzspieler sind.

So macht das Team Punkte

Jetzt haben wir also ein Fantasy Team. Doch wie macht man im Fantasy Football eigentlich Punkte? Dafür werden die tatsächlichen Leistungen in der echten Liga gewertet. Macht ein Offensivspieler Raumgewinn oder sogar einen Touchdown in der gegnerischen Endzone, macht er auch für sein Fantasy Team Punkte. Verschuldet er Raum- oder sogar Ballverlust, gibt es Abzüge. Die Defensive bekommt Punkte, wenn sie dem Gegner den Ball durch Interception (Fangen) oder Fumble (Ball rausschlagen) einen Ballverlust des Gegners verursacht und noch mehr, wenn sie den Ball dabei selbst bis in die gegnerische Endzone trägt. Für gegnerische Punkte werden allerdings Fantasypunkte abgezogen.

Taktisches Element ist bei dem Ganzen, nicht nur die besten Spieler aufzustellen, sondern auch zu berücksichtigen, gegen welchen Gegner dieser spielt. Gegen die stärkste Defense der Liga kann auch euer Top-Receiver mal schnell das Nachsehen haben.

Außerdem ist die NFL ein sehr verletzungsintensiver Sport. Ein Großteil der Spieler wird mindestens ein Spiel haben, bei dem er nicht auflaufen kann. Ist die Teilnahme eines Topspielers oder sein Arbeitspensum auf dem Feld fraglich, muss man abwägen, ob man nicht stattdessen einen schwächeren Spieler aufstellt, der aber topfit ist. Am Ende trifft man gefühlt sowieso die falsche Entscheidung. Wegen teils auch langfristig verletzten Spieler ist der Transfermarkt wichtig. Jeder Spieler, der bislang in keinem Fantasyteam ist, kann angeworben und gegen einen anderen Spieler ausgetauscht werden. Da während der Spielphase der Woche kein direkter Anspruch möglich ist, werden die Ansprüche an einen Spieler am Anfang des folgenden Spieltags geltend gemacht. Je weiter das Team im Ranking zurückliegt, desto weiter vorne ist sein Anspruch auf einen Spieler – so wird die Liga spannend gehalten.

Im folgenden Video wird euch Fantasy Football und der Draft nochmal anschaulicher erklärt.

Darum muss man Fantasy Football spielen

Es gibt einen einfachen Grund, warum Fantasy Football verdammt viel Spaß macht: Es bereichert die Saison. Nicht nur das Ausknobeln der besten Mannschaftsaufstellung macht Spaß, sondern auch das Football schauen an sich. Plötzlich hat man Interesse an Spielen, wo einen die Mannschaften vorher nicht interessierten – weil man selbst oder der Gegner dort wichtige Spieler hat. Auch ist es absurd, wenn man selbst einen Receiver einer Mannschaft hat, sein Gegner aber den Quarterback und man dann hofft, dass dieser auch ja nur auf den eigenen Spieler seine Bälle wirft. Und dann ist da das Drama, wenn das Lieblingsteam gegen die Mannschaft spielt, aus der man die meisten Spieler im Fantasy Team hat. Es zerreißt einen innerlich und am Ende hofft man, dass es einfach ein punktereiches Spiel wird, das Lieblingsteam am Ende aber gewinnt.

Auch für Neulinge kann eine Fantasy Football Liga eine Bereicherung sein. Zwar wird man sich gegen Football Veteranen schwer tun, aber man lernt die Spieler viel besser kennen. Eine Saison Fantasy Football reichte bei mir aus, um einen Großteil wichtiger Spieler ihren Mannschaften zuordnen zu können. Ohne Fantasy Football wäre das ganz anders.

Über die NFL eine eigene Liga hosten

Früher war so eine Fantasy Liga noch ein immenser Aufwand. Punkte wurden händisch aus Statistiken ausgewertet, teils sogar die Aufstellungen per Post an die Leiter der Liga geschickt. Heute gibt es Anbieter bei denen alles automatisch geschieht – allen voran die NFL selbst. Dort kann jeder kostenlos eine Liga erstellen und bekommt ein Rundum-Sorglos-Paket. Die Punkte werden in Echtzeit zusammengerechnet und Spieler markiert, die nicht spielen können, eine spielfreie Woche haben oder bei denen es einfach Neuigkeiten gibt.

Auch bekommt man in den Fantasy Football Ligen der NFL heiße Tipps, welche Spieler für das kommende Spiel unbedingt aufgestellt werden und welche doch besser auf der Bank bleiben oder gar abgestoßen werden sollten. Die Komfort-Features auf der einen und die Fülle und Tiefe an Informationen auf der anderen Seite, sorgen dafür, dass man seine Aufstellung theoretisch in fünf Minuten erledigt hat, aber auch Stunden mit dem Durchstöbern von Statistiken verbringen kann, um vor allen anderen einen vielversprechenden Spieler auszumachen.

Traut euch Fantasy Football zu

Da eine Fantasy Liga einfach über die NFL gehostet werden kann, gibt es keinen wirklichen Grund, nicht mit diesem spaßigen Hobby anzufangen. Bei der Suche nach Spielern solltet ihr aber darauf achten, dass diese dann auch wirklich durchziehen und nicht auf halber Strecke aufhören. Als Neuling werdet ihr sicherlich falsche Entscheidungen beim ersten Draft fällen, doch nach zwei Spieltagen seid ihr mit dem System vertraut und die Saison wird spannend wie noch nie.

Letzte Saison waren wir alle traurig, als die Playoffs kamen. Zwar gab es in der NFL Saison noch die wichtigen KO-Spiele, aber die Fantasy Saison endete leider mit den Playoffs. Mit den Leuten meiner letztjährigen „Neulingsliga“ hatte ich in den letzten Monaten wenig Kontakt, aber sie alle sind auch nächste Saison mit dabei und bringen sogar etwas „Frischfleisch“ mit. Aber beeilt euch! Das erste Spiel der Saison startet am 5. September. Dann fliegen endlich wieder die langen Brote durch die Luft.

Am 2. August kommt übrigens das neue Spiel Madden NFL 20 raus (Provisionslink)


Image by Muyuan Ma via Unsplash

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