CALISTHENICS – TRAINER FRANK DELVENTHAL IM INTERVIEW

Von wegen Kraftsport lässt sich nur im Fitnessstudio mit entsprechenden Geräten machen. Die Ausrede zählt nicht! Für alle Studio-Muffel gibt es jede Menge effektiver Trainingsmöglichkeiten bei denen nur das eigene Körpergewicht eingesetzt wird. Wir sprechen mit dem Hamburger Trainer Frank Delventhal darüber, wie das Eigengewichtstraining (Fachbegriff „Calisthenics„) die eigene Fitness steigert.

Hello-Sport: Hallo Frank! Wann hast du das letzte Mal eine „Human Flag“* gestemmt? (*der gesamte Körper wird an einer vertikalen Stange parallel zum Boden gehalten)

(lacht) Leider noch gar nicht! Die Vorstufe, die sogenannte „Clutched Flag“ (siehe Foto), ist kein Problem. Für die „echte“ Human-Flag muss man meist jahrelang trainieren. Der Winkel ist so extrem, dass schon ein schweres Paar Stiefel dafür sorgen kann, dass die Fahne sehr schnell „eingezogen“ wird.

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In den USA und Australien ist Calisthenics als „Street Fitness“ bereits weit verbreitet. In Deutschland ist es noch nicht so weit. Was gefällt dir an der Sportart?

Jeder sollte sich bewegen. Es muss Spaß machen und man muss Erfolge haben. Und man ist wirklich nicht auf ein Studio angewiesen, um fit und stark zu werden. Voraussetzung für ein Training ohne Geräte ist nur, dass man sich ein bisschen mit der Funktionsweise des menschlichen Körpers beschäftigt. Die meisten Calisthenics Übungen kennt man bereits aus dem Schulsport: Liegestütz, Klimmzüge, Kniebeugen, Brücke, Handstand, Bauchaufzüge – alles keine Quantenphysik. Der Clou ist aber, dass man all diese Übungen leichter und schwerer ausführen kann. Zum Beispiel ist der Liegestütz gegen eine Wand recht einfach, auf den Knien schon schwieriger und lang gestreckt auf einen Arm sehr herausfordernd.

Wo findet man denn außerhalb von Sportstudios Stangen für die Klimmzüge?

Stimmt, für das Training mit dem eigenen Körpergewicht fehlen uns Erwachsene oft die geeigneten Spielplätze. In den 70er Jahren gab es überall Trimm-dich-Pfade mit simplen Turngeräten. Sowas sollte man wiederbeleben! Vielleicht in Kombination mit Kinderspielplätzen. Jeder, der mit Kindern Zeit auf einem Spielplatz verbringt weiß, dass dort die meisten Klettergerüste oder Reckstangen für Erwachsene natürlich viel zu tief sind. Wäre es nicht super, wenn noch ein Segment für die Großen angebaut wäre? Am besten noch eine Tafel daneben: „Mama, Papa legt eure Handys weg und macht ein paar Klimmzüge!“

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Was trainiert man mit Calisthenics neben dem Muskelaufbau noch?

Calisthenics verbessert nicht nur die Kraft, sondern auch die Bewegungsqualität. Man geht gerader, geschmeidiger und vielleicht ein bisschen cooler durch die Welt.

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Was sollte man als Einsteiger unbedingt beachten?
Es ist schon von Vorteil, wenn man jemanden hat, der sich mit Calisthenics auskennt und die Übungen überwacht und verbessert. Ich halte nicht so viel von YouTube Videos. Mit Glück kann man sich da eine gute Form abschauen oder den ein oder anderen Tipp bekommen. Aber zum Beispiel die Anweisung, deine Finger etwas mehr nach außen zu drehen, damit du eine bessere Schulterposition erzielst, kann dir nur ein aufmerksamer Trainer geben.
Meine Empfehlung: Sucht Euch einen Coach, nehmt ein paar Personal Trainer Stunden oder besucht einen Kurs.

Frank Delventhal arbeitet als Personal Trainer in Hamburg. Er ist Instructor für Progressive Calisthenics und Russian Kettlebell und gibt regelmäßig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene im Hamburg Kettlebell Club.


Teaser & Image by Frank Delventhal