CrossFit-Coach Nico Peschke im Interview

Nico Peschke ist seit vielen Jahren Personal Trainer und hat vor kurzem mit zwei Compagnons eine CrossFit Box in Berlin aufgemacht. Wir haben den CrossFit-Experten interviewt.

Allein vom bloßen Zuschauen wird einem schnell deutlich, wie anspruchsvoll CrossFit ist. Wie würdest du das Besondere dieser Fitness-Form beschreiben?

Nico Peschke: Das Besondere liegt sicherlich vor allem in zwei Gegebenheiten:

  • 1. Es wird grundsätzlich in einer Kleingruppe (bei uns maximal 12 Teilnehmer) unter Anleitung eines Coachs trainiert. Es entsteht hier eine unvergleichliche Gruppendynamik, die extrem motivierend und euphorisierend wirkt. Die Mitglieder einer CrossFit Box kommen nicht zuletzt wegen der engen sozialen Bindung ins Training, es entstehen viele Freundschaften und manchmal sogar Liebesbeziehungen 😉
  • 2. Die Inhalte des Training sind im Vergleich zum konventionellen Fitnessstudio sehr ungewöhnlich. CrossFitter trainieren ausschließlich mit freien Gewichten (Hanteln, Kettlebells, Seile, Medizinbälle usw.) und dem eigenen Körpergewicht (Handstand, Liegestütz, Klimmzug etc.). Außerdem trainieren wir meistens in speziellen Abläufen z. B. gegen die Zeit (so viele Runden wie möglich einer bestimmten Übungsabfolge innerhalb eines festen Zeitraums oder eine bestimmte Übungsabfolge so schnell wie möglich). Die Workouts sind täglich wechselnd und der CrossFitter weiß nie, was auf ihn zukommt, wenn er die Box betritt. All das macht das Training sehr anspruchsvoll und super spannend. Ziel ist die Entwicklung einer Allround-Fitness, welche auch alltagstauglich ist (z. B. schwere Gegenstände anheben, zum Bus rennen usw.).
  • Wie sieht ein Workout of the Day (WoD) aus?

    Hier hat jede Box mittlerweile ihren eigenen Stil. Bei Spree CrossFit gibt es immer zunächst einen „Skill“-Teil. Hier werden die mitunter sehr anspruchsvollen Übungen technisch besprochen und geübt (z. B. Kreuzheben, Kniebeugen, olympisches Gewichtheben). Im Anschluss absolvieren wir einen Kraftteil, welcher uns mittels der „großen 5“ (Kniebeugen, Kreuzheben, Schulterdrücken, Bankdrücken, Langhantelrudern) stark machen soll, denn Maximalkraftfähigkeit ist die Grundlage jeder anderen Kraft (z. B. Schnellkraft) und starke Muskeln schützen langfristig die Gelenke. Das Herzstück eines jeden Trainings ist dann das “WoD” (Workout of the Day). Hier kombinieren wir verschiedene Übungen mit vorgegebenen Wiederholungszahlen und individuell angepassten Gewichten zu einer Art Zirkeltraining, welches wir i. d. R. gegen die Uhr absolvieren (s. o.). Ein Training dauert insgesamt circa 60 Minuten.

    Welche Rolle spielt Ernährung und Regeneration beim CrossFit?

    Unter CrossFittern ist die “Paleo-Ernährung” sehr populär. Hierbei orientiert man sich an der Ernährungsweise unserer Vorfahren in der Steinzeit. D.h. man isst unverarbeitete Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen. Diese Form des Essens passt natürlich super zu den ebenfalls natürlichen Bewegungen, welche wir im CrossFit Training praktizieren, außerdem versorgt sie den Körper optimal und hält ihn gesund und leistungsfähig. Die Regeneration ist natürlich sehr wichtig, denn ohne ausreichende Erholung und adäquate Ernährung wird es keine Trainingsfortschritte geben. Die Intensität des Trainings im CrossFit ist meistens hoch, weshalb ausreichend Ruhe zwischen den Trainingseinheiten eingehalten werden sollte und z.B. Schlaf eine wichtige Rolle spielt. Außerdem beschäftigen die meisten CrossFitter sich viel mit aktiven Erholungsmethoden wie z.B. der Selbstmassage, Stretching und Mobilitätsübungen.

    Was empfiehlst du Anfängern? Braucht man eine Grundfitness oder kann man einfach loslegen?

    Grundsätzlich kann jeder mit dem CrossFit Training beginnen. Alle Übungen sind dem individuellen Leistungsniveau anpassbar und letztlich steuert ja jeder die Intensität des eigenen Trainings selbst. Wir raten diesbezüglich immer sich an den Leitsatz “leave your ego at the door” zu halten. Viele CrossFit Boxen bieten Einsteigerkurse an, in denen man die Grundlagen der wesentlichen Übungen erlernt. Zudem ist es sicher sinnvoll sich von der Professionalität der Coachs einer Box zu überzeugen (welche Ausbildungen, Erfahrungen etc.) und sich nicht gleich für die erstbeste Box zu entscheiden.

    Man gewinnt auch den Eindruck, dass sich die Trainings-Teilnehmer sich kameradschaftlich anfreunden. Welche Rolle spielt der soziale Aspekt beim CrossFit?

    CrossFit lebt von der Gemeinschaft. In der Gruppe durch ein hartes Workout zu gehen, sich gegenseitig anzufeuern und zu unterstützen ist ein fantastisches Gefühl – schließlich fühlt der Mensch sich schon seit Jahrtausenden unter seinesgleichen wohl! Innerhalb unserer Box z.B. sind enge Freundschaften entstanden, wir veranstalten regelmäßig Events, gehen z.B. gemeinsam Kajaken, Klettern oder fahren gemeinsam in den Sporturlaub. Hierbei verbindet uns alle immer der Sport, jedoch geht es zwischenmenschlich dann oftmals weit darüber hinaus.

     

    Nico Peschke arbeitet als Personal Trainer, Coach und Group Trainer in Berlin. Seit 2012 ist er Mitgründer- und Besitzer von SPREE CROSSFIT.